Millwall FC vs. Queens Park Rangers 2:0

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Am Montag stand für mich dank der Ferien ein Kurztrip nach London an, um meinen englischen Lieblingsclub Millwall beim Stadtderby gegen die Queens Park Rangers aus Nordwestlondon zu besuchen. Zwei Monate zuvor hatte ich bei Ryanair gebucht, welche Flüge für 7€ inklusive Steuern anboten.

Um 9.45 landete ich pünktlich in London-Stansted, was 50km von der City entfernt liegt und fuhr mit dem Bus in die Innenstadt. Dort dann Sightseeing und später ab ins Hotel. Das Hotel ein kleiner Indischer Familienbetrieb mit sehr freundlichem Personal. Als ich im 4ten Stock aus dem Fahrstuhl ausstieg, befand mich inmitten einer dichten Staubwolke und in der Gesellschaft von Bauarbeitern, welche sich gegenseitig anpöbelten und kurz davor waren, sich an die Wäsche zu gehen.

Treppen rauf und Zimmer naja, Gefängniszelle… aber Bett, Klo und Dusche sauber, war ja nur eine Nacht.

Am nächsten Morgen wurde ich dann um halb 8 von den sich erneut streitenden Bauarbeitern geweckt und fuhr gegen 11 wieder in die Innenstadt. Später dann noch zum Ground von Leyton Orient, ein Verein aus der 3ten Liga, der in den Ecken seines Stadions und an den Außenseiten von den Tribünen Wohnungen gebaut hat. War auch das einzig Besondere, große Scheiße ansonsten, habe ich auch nur besucht weil’s der letzte in London war, der mir fehlte.

 

Anstoß bei Millwall in Süd-Bermondsey war um 19.45. Um 17.30 ging’s über die Themse in den ungemütlichen Londoner Süden. Das Stadion von Millwall heißt „The Den“ - Die Höhle, hat Platz für 20.000 Leute und besteht wie jedes größere Englische Stadion nur aus Sitzplätzen.

Gebaut wurde der Den 1993, nachdem Stehplätze in England verboten wurden.

Jede Tribüne sieht gleich aus, ein Unterrang und ein Oberrang. Die Ecken sind frei und einzig auffällig ist der gelbe Schriftzug „The Den“  am Cold Blow Lane End, der Südtribüne des Stadions, für die ich mein Ticket hatte.

Willkommene Abwechslung auf der Tribüne ist, dass man freie Platzwahl in seinem Block hat.

Da das Stadion noch nicht aufhatte, beobachtete ich die anwesenden Leute und plötzlich lief ein Kerl in St. Pauli Regenjacke an mir vorbei, ich sprach ihn an und fragte, wo er denn herkomme, da ich dachte er sei Deutscher und ebenfalls zum Millwall gucken da, war aber nicht so. Er kam aus England, ist Millwall Fan und besucht ab und zu Spiele von uns, sehr geil!

 

Millwall ist für mich zweifelsohne der interessanteste Englische Verein. Seit über 125 Jahren stets erfolglos, dümpelt der Club zwischen den unteren Ligen umher. Einzige Erfolge: 2 Jahre mit Teddy Sheringham in der Premier League Ende der 80er und das Erreichen des FA Cup Finales 2004, wo man gegen Cristiano Ronaldos ManU 3:0 verlor und dann im UEFA Cup in der ersten Runde gegen Ferencvaros Budapest rausflog.

2002 klopfte der Verein nochmal an der Premier League an. Ein Gegentor in der letzten Minute gegen Birmingham City verhinderte aber den Aufstieg, woraufhin angeblich bis zu 1000 Fans vor dem Stadion randalierten, dabei mehrere Polizisten und Pferde verletzten und  Autos anzündeten.

Da es zuvor auch bei Spielen gegen Tottenham, Cardiff oder Burnley geknallt hatte, durften Millwall Fans in der darauffolgenden Saison keinerlei Auswärtsspiele besuchen. Jeder der Hooligans und Football Factory gesehen hat, darf sich also in seinen Vorurteilen bestätigt fühlen.

Bis heute dürfen zu Auswärtsspielen nur Fans fahren, welche Vereinsmitglieder sind. Bei Risikospielen kommen ebenfalls nur Vereinsmitglieder ins Stadion und es werden keine Karten am Tag des Spiels verkauft. Bis vor einem Jahr durfte nur Mitglied werden, wer seinem Mitgliedsantrag eine Kopie seines Personalausweises und Passfotos beilegte.

 

Mehr los als bei jedem anderen englischen Verein war trotzdem. Im vorletzten Saisonspiel 2008/2009 zu Hause gegen Leyton traf man 3 Minuten vor dem Ende zum 2:1 und machte den Einzug in die Aufstiegs-Playoffs klar. Nach Schlusspfiff stürmten von allen Tribünen Leute auf das Spielfeld und rannten Richtung Gästeblock, in dem sind aber nur Fans im Oberrang zugelassen, daher passierte nichts und es wurde auf dem Feld gefeiert.

Dann im Playoff - Halbfinale wurde einer der größten Feinde, Leeds United, besiegt und beim Tor gab’s ebenfalls nochmal 'ne kleine Pitch Invasion. Im Finale in Wembley schoss Gary Alexander dann das bis heute schönste Tor dort vor über 30.000 Millwall Fans, verloren hat man trotzdem.

Ein Jahr später wurde das Playoff-Finale dann wieder erreicht und 1:0 gegen Swindon gewonnen.

2009 ging’s gegen West Ham im Ligapokal. Stürmerlegende Neil Harris (über 400 Spiele und weit mehr als 100 Tore) schoss das 1:0, aber West Ham gewann in der Verlängerung. Da West Ham während des Spiels öfters den Platz stürmte, es in beiden Blöcken sowie vorm Stadion zu Krawallen kam und die Presse in England ebenfalls nicht an Übertreibungen und falschen Berichten spart, wurde erneut, wie nach den Birmingham Krawallen  2002, gefordert, den Verein dicht zu machen, da er seit Jahrzehnten eine Schande für das ganze Land sei.

 

Im Stadion setze ich mich ganz nach vorne hinter das Tor, beim Einschießen fing ich 2-3 Bälle, die der Torwart über den Kasten gelenkt hatte, leider wurde auch ein kleines Mädchen abgeschossen  und musste behandelt werden.

Um mich rum eine bunte Mischung aus allen möglichen Leuten: Jugendliche, mehrere schwere Kerle mit großen Zahnlücken, aber auch Leute in Anzug und Schal, die kurz vor Anpfiff hektisch in den Block gesprintet kamen. Neben mir ein dunkelhäutiger Vater mit seinen Söhnen, wer Millwall mit Rassismus in Verbindung bringt, kann‘s knicken, keinerlei Vorkommnisse. Auch der Frauenanteil relativ hoch und alle freundlich, wenn es mal zu einem kleinen Gespräch kam, war jeder sehr nett und keinen störte es, dass ich nicht aus England komme.

Millwall hängt in der Mitte der Tabelle rum, Queens Park Tabellenführer, sollte also eigentlich eher nach hinten losgehen. Zum Anpfiff hin lief der QPR Torhüter auf unsere Tribüne zu, um sich in den Kasten zu stellen und ausschließlich alle, vom 10 Jährigen bis zum 70 Jährigen, fingen an ihn zu beschimpfen. 3000 - 4000 Leute schleuderten ihm typisch britische Schimpfwörter entgegen und ein paar Plätze weiter rotzten ein paar Kerle in seine Richtung um die Wette.

Ein paar Wochen zuvor flogen aus den Blöcken mehrere Feuerzeuge auf den Torwart von Middlesbrough, deswegen stehen die Fans wieder unter strengerer Beobachtung und hätte der Verein nicht schnell Stadionverbote ausgesprochen und Statements veröffentlicht, hätte es sicher wieder Konsequenzen seitens der FA gegeben.

Auf der Haupttribüne und Gegentribüne jeweils 100-200 Leute, die so nah wie möglich an den Gästeblock ran sind und durchgängig in dessen Richtung gestikulierten und sangen. Am Cold Blow Lane End hauptsächlich die supportwilligen.

Stimmung typisch englisch, wenn gesungen wurde, dann sehr laut, von QPR kam eher wenig. Das Spiel sehr umkämpft mit vielen Kopfbällen und wenig Pässen, eher Gebolze. Das 1:0 fiel in der 2ten Halbzeit, woraufhin von allen Tribünen „No one likes us we don’t care, we are Millwall, super Millwall, we are Millwall from the Den“ in einer extremen Lautstärke gesungen wurde. Das 2:0 fiel durch einen Elfmeter, da der am wenigsten beliebte Spieler von QPR zur Notbremse anzog. Die Lautstärke in der letzten viertel Stunde dann sehr beachtlich, von allen Rängen kam immer mehr und es wurde bis zum Schlusspfiff durchgezogen.

Nach dem Spiel ging’s noch rein in den Pub auf ein paar Bier, dann wieder mit dem Bus nach Stansted, am Flughafen ein paar Stunden rumgehangen und wieder ab nach Lübeck bzw. Hamburg. Garantiert nicht die Erste und nicht die letzte Tour nach London und Millwall!


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